Die Thuner SP-Frauen kämpfen seit über 100 Jahren für die Gleichstellung

Avatar of SP Thun SP Thun - 03. Februar 2021 - Aus dem Präsidium, Aus der Fraktion

Seit über 100 Jahren setzen sich Frauen in Thun unermüdlich für politische Mitbestimmung und die Gleichstellung der Geschlechter ein. Im Jubiläumsjahr zu 50 Jahren Frauenstimmrecht in der Schweiz erinnert die SP Thun an die Wegbereiterinnen – und kämpft weiter

Das Engagement für politische Gleichberechtigung hat auch in Thun eine über 100-jährige Geschichte. Ein Blick in die Unterlagen der SP Thun im Stadtarchiv zeigt, dass bereits 1916 eine Gruppe mit viel Courage eine eigene SP Frauensektion gründete. Damit wollten sie sich und ihren Anliegen innerhalb und ausserhalb der Sozialdemokratischen Partei endlich Gehör verschaffen. 

Neben dem unermüdlichen Einsatz für die politischen Rechte der Frauen, standen die Sorgen der Arbeiterinnen und Arbeiter und der Einsitz in die städtischen Kommissionen im Zentrum ihrer politischen Forderungen. Dass sie es trotz beharrlichem Engagement erst 1942 schafften, dass Paula Hebeisen als erste Frau in die Schul- und Kindergartenkommission gewählt wurde, zeigt beispielhaft, wie beschwerlich der Weg zu minimaler politischer Einflussnahme war. In den Kommissionen verrichteten die SP Frauen dann auch vorerst Arbeiten, die als ‘Frauensache’ galten: 1947 in die Fürsorgekommission gewählt, betreute etwa Elisabeth Geiser alleinstehende Männer und erledigte für sie Näh- und Flickarbeiten.

Mitte der 1950er Jahre wurden die SP Frauen Thun zahlreicher und veranstalteten grosse politische Vernetzungsanlässe für sozialdemokratische Frauengruppen mit jeweils über 250 Gästen und Rundfahrten auf dem Thunersee. Bereits seit 1931 bestand in Thun auch ein Frauenstimmrechtsverein, dessen letzte Präsidentin – Ruth Brand – ebenfalls den SP Frauen angehörte.

Auch die SP Frauensektion organisierten immer wieder Veranstaltungen zur Einführung des Frauenstimmrechts und mobilisierten schier unermüdlich. Die kantonale Vorlage scheiterte 1956, die eidgenössische wurde 1959 von den stimmberechtigten Männern abgelehnt. «Welche Enttäuschung! … Der Kampf geht weiter!» notierte der Vorstand der SP Frauen zu entsprechenden Zeitungsartikeln. In einem von diesen stand, insgesamt hätten «die konservativen Mächte gesiegt über den Gedanken einer zwar gerechten, aber nicht geradezu nötigen Neuerung.» 

Es musste weitergekämpft und Überzeugungsarbeit geleistet werden bis am 30. Juni 1968 im Kanton Bern erstmals die Jastimmen überwogen. Am 2. März 1969 durften die Thunerinnen zum ersten Mal über eine Gemeindevorlage abstimmen: «der Jubel, die Freude war riesig», hielt Ruth Brand in einem Beitrag zur Festschrift ‘100 Jahre SP Thun’ 1997 fest. 

50 Jahre nach Einführung des eidgenössischen Frauenstimm- und -wahlrechts steht für SP-Fraktionspräsidentin Katharina Ali-Oesch und die beiden Stadträtinnen und Vize-Präsidentinnen der SP Thun, Vera Vuille und Alice Kropf fest, dass der Kampf für Gleichberechtigung weitergehen muss.
So betont Vera Vuille, dass mit der formalen Gleichstellung von Frauen und Männern zwar viel erreicht sei, wir aber von einer gerechten Teilhabe von Frauen – geschweige denn von Inter, Trans und genderqueeren Menschen und Personen ohne Schweizer Pass noch weit entfernt sind. «Für politische Entscheidungsprozesse müssen neue Verhandlungsräume geschaffen werden und in den politischen Institutionen und Gremien braucht es repräsentative Vertretungen, die den vielfältigen Lebenswirklichkeiten tatsächlich gerecht werden.» 

Alice Kropf hat bereits mehrere gleichstellungspolitische Vorstösse im Stadtrat eingereicht: «Die bürgerlichen Widerstände sind jedoch nach wie vor gross. Wie unsere Vorkämpferinnen brauchen wir viel Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen um unsere Ziele zu erreichen.»

Für Katharina Ali-Oesch ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf Voraussetzung für die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung von Frauen. «Deshalb forderte ich im Stadtrat erfolgreich die Einführung einer Ganztagesschule in Thun. Der sogenannte Brunner-Effekt hat mich als junge Frau politisiert und so trage ich zur Würdigung der Wegbereiterinnen heute stolz die Sonnenbrosche.»

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